Neue Sonderausstellung im Schlossmuseum Pillnitz:

„Skandal bei Hofe – Die Flucht der Luise von Toscana, Kronprinzessin von Sachsen“
Gemeinschaftsprojekt Schloss & Park Pillnitz, Sächsisches Staatsarchiv – Hauptstaatsarchiv Dresden, Nationalarchiv Prag und Generalkonsulat der Tschechischen Republik in Dresden
Schloss Pillnitz erinnert in der neuen Sonderausstellung „Skandal bei Hofe – Die Flucht der Luise von Toscana, Kronprinzessin von Sachsen“ an das berührende Schicksal der sächsischen Kronprinzessin und den ersten Medienskandal zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ausgelöst wurde er durch die sächsische Kronprinzessin Luise von Toscana. Im Sommer 1887 traf die 17jährige Luise, Erzherzogin von Österreich-Toskana in Pillnitz ihren späteren Ehemann, den Kronprinzen Friedrich August von Sachsen. Zu Ehren seiner Besucher, des Großherzogs der Toskana Ferdinand IV. mit Familie, gab der sächsische König Albert im Schloss Pillnitz einen Ball. Luise und Friedrich August fanden sich sympathisch, ohne dass dieses erste Treffen sofort Folgen hatte. Niemand ahnte, dass Luise 15 Jahre später einen der größten gesellschaftlichen Skandale zu Beginn des 20. Jahrhunderts auslösen sollte. Berücksichtigt man die technische Entwicklung der öffentlichen Medien, ist er in seiner Berichterstattung mit dem Skandal um Lady Diana am Ende des 20. Jahrhunderts vergleichbar. 

Von der Öffentlichkeit fast vergessen
Mit mehr als 1500 Zeitungsartikeln, einer Unmenge an Postkarten und Büchern sollte sich dieses klassische Drama um Luise größtenteils in der Öffentlichkeit abspielen. Trotz dieser Öffentlichkeit und der 1911 herausgegebenen Autobiographie von Luise sowie der im Sächsischen Staatsarchiv, Hautstaatsarchiv Dresden, überlieferten behördlichen Akten blieb und bleibt vieles im Dunkeln.

Konkreter Anlass für die Ausstellung sind der unbeachtete Tod Luises vor genau 70 Jahren und wiederentdeckte Briefe von Luise, ihrem Ehemann Friedrich August III. und von weiteren an dem Skandal beteiligten Personen. In Vorbereitung einer Ausstellung über die Großherzöge der Toskana im böhmischen Ostrov wurde im Tschechischen Nationalarchiv Prag das Archiv der Großherzöge aufgearbeitet. Darin befinden sich mehrere tausend Seiten betreffend Luise von Toscana. Beginnend mit dem Taufschein vom 8. September 1870 lässt sich ihr Leben im Prager Nationalarchiv bis zur späteren Hochzeit mit Enrico Toselli 1907 verfolgen. Die Akten ermöglichen einen tiefen Einblick in die privaten Hintergründe und Motive der Beteiligten. Neben mehreren hundert Briefen von Luise, ihrem Vater Großherzog Ferdinand IV., ihrer Mutter Alix, Friedrich August III. sind Schreiben des österreichischen Kaisers Franz Joseph I., des sächsischen Königs Georg und vor allem der Rechtsanwälte überliefert. Private, bisher unveröffentlichte Fotos gestatten einen Blick in das Leben abseits der höfischen oder Pressefotos.  

Erstmals bislang unbekannte Dokumente ausgewertet
Es war nicht einfach, weitere Exponate zu finden, welche in einem konkreten Bezug zu Luise und ihrem Leben stehen. Am Dresdner Hof wollte man nach ihrer Flucht fast alle Erinnerungen an diese Frau tilgen.
Für die Hochzeit und ersten Ehejahre mit der Geburt der fünf Kinder werden Exponate aus verschiedenen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr Dresden gezeigt. Ein einziges bekanntes Ölgemälde, das Luise im Alter von 13 Jahren zeigt, stellte Gundakar Prinz von und zu Liechtenstein freundlicherweise zur Verfügung. 
Eine besondere Rolle in der Ausstellung spielen die Presseartikel. Zum Glück mussten die mehr als 1500 Artikel für die Vorbereitung der Exposition nicht einzeln zusammengetragen werden. Diese Arbeit übernahmen vor mehr als hundert Jahren das Dresdner Polizeipräsidium, die sächsischen Innen- und Außenministerien sowie der Großherzog der Toskana. In mehreren dicken Aktenordnern trug man Zeitungsartikel aus aller Welt zusammen. In Dresden wohl vor allem aus Angst vor den politischen Folgen der Flucht. Die Artikel geben die gesamte Bandbreite der Ursachen und Folgen des Skandals wieder. Für die einen, vor allem dem Dresdner Hof und Anhängern der Monarchie nahestehenden Zeitungen, ist Luise eine charakterlose, verführte, mannstolle Frau und ihre Kinder verratende Mutter. Die der Sozialdemokratie anhängenden und liberale Zeitungen sahen in Luise eine Frau, die mit ihrer modernen, freien und dem Volk zugewandten Lebensauffassung an den beengten Verhältnissen des aus ihrer Sicht überlebten, bigotten und von Jesuiten beherrschten sächsischen Königshof scheitert. 

Einen besonderen Blick auf Luise und die von ihr immer wieder betonte Liebe zu Land und Menschen in Sachsen gibt der Briefwechsel mit Familie Herrmann aus Dresden-Wachwitz wieder. Im Sächsischen Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden und in Privatbesitz sind mehr als 200 Briefe und Postkarten überliefert, welche Luise nach ihrer Flucht bis 1938 an die Familie geschrieben hat. Clara Herrmann war als Plätterin für die kronprinzliche Familie in der königlichen Villa in Wachwitz tätig. Dabei ist zwischen den beiden Frauen eine Freundschaft entstanden, welche ein Leben lang währte und in der Familie Herrmann bis heute weiterlebt. Luise war Patin für einen Sohn der Familie. Aus den Briefen geht unter anderem hervor, dass Luise seit 1924 wieder Kontakt zu ihren erwachsenen Kindern hatte. Diese besuchten und unterstützten ihre Mutter. 

Beendet wird die Ausstellung durch einige Exponate des Cafés Toscana und der 2015 geschlossenen Gaststätte Luisenhof. Deren Namensgebung 1899 bzw. 1895 bezog sich auf Luise von Toscana und zeigt, wie beliebt diese bei den Sachsen und besonders den Dresdnern war. 

Exponate:
Gezeigt werden ca. 150 Objekte auf ca. 90qm Ausstellungsfläche in 17 Vitrinen und an den Wänden. Darunter Gemälde, Gedenkmedaillen, ein Schreibzeug, Bücher und viele Akten und Briefe zu Luises Leben und dem Skandal. 

Eine große Anzahl Fotos und eine Auswahl der mehr als 1500 Zeitungsartikel können als Reproduktionen in der graphischen Umsetzung gezeigt werden.  Einige Zeitungsartikel, vor allem die Titelseiten, lassen sich in der Ausstellung nachlesen. An Hörstationen werden Briefe von Luise und Friedrich August vorgelesen sowie die berühmte Toselli-Serenade in einer Aufnahme von 1926 zu hören sein. Eine große Sammlung zeitgenössischer Postkarten in Original und Kopie rundet die Ausstellung ab.

Partner:
Nationalarchiv Prag, Sächsisches Staatsarchiv – Hauptstaatsarchiv Dresden, Generalkonsulat der Tschechischen Republik in Dresden.  

17 Leihgeber:

  • Gundakar Prinz von und zu Liechtenstein
  • Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden
  • Nationalarchiv Prag
  • Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und Deutsche Fotothek
  • Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden
  • Sammlung Roland Bach, Dresden
  • Sammlung Bergner, Renthendorf
  • Sammlung Ingrid Dittrich, Dresden
  • Sammlung Reinhold Herrmann, Dresden
  • Sammlung Iris Kretschmann, Dresden
  • Stadtmuseum Dresden, Museen der Stadt Dresden
  • Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister, Münzkabinett und Museum für Sächsische Volkskunst
  • Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH, Schloss & Park Pillnitz und Schloss Weesenstein

Kuratoren: Mike Huth & Iris Kretschmann
Fachliche Beratung: Dr. André Thieme
Gestaltung: Antje Werner & Anja Maria Eisen
Ausstellungsdauer:   28. April bis 05. November 2017 Di – So/Feiertage je 10:00 – 18:00 Uhr

www.schlosspillnitz.de

Hinweis:   
Am 28. April 2017 um 11:00 Uhr laden die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zum Pressetermin anlässlich der Eröffnung der Ausstellung »Amor Búcaro. Schwarze Keramiken von Linde Burkhardt« ins Kunstgewerbemuseum im Wasserpalais von Schloss Pillnitz ein.

Uli Kretzschmar: Pressesprecher | Wolfgang Ferch: Bild

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