Herzinfarkt

Mein Leben nach dem Herzinfarkt!
Wer glaubt, keinen Infarkt zu bekommen dem kann ich sagen, es kann jeden treffen. Ich möchte hier nichts Neues erfinden oder, das was Sie glauben schon zu wissen nochmals zu interpretieren, nein, ich möchte helfen zu vermitteln und den Herzinfarkt, so wie ich ihn ERLEBT habe und wie mir geholfen wurde, wiederzugeben.

1.Der Tag XDSCF0164
Wir befinden uns im Urlaub 2007, meine Frau, ich und unsere zwei Hunde. Wir fahren seid mehreren Jahren ins schöne Zillertal in die Ferienregion Hippach, Schwendau, Ramsau. Erwähnen möchte ich vorab noch, das ich kein Kostverächter war, also Rauchen, (1Schachtel am Tag) Alkohol, (nur am Wochenende) Essen (sehr gut) das ganze Programm was, wie wir alle wissen, total verkehrt ist.Wir haben die letzten paar Tage unseres Urlaubs erreicht und haben einen schönen Abend in der Reme in Schwendau beim Ferienhotel Neuwirt mit Volksmusik vom Edelweissduo hinter uns. In der Ferienwohnung zurück warten schon unsere Hunde, um nochmals kurz Gassi zu gehen, dies übernimmt meine Frau. Während meine Frau die Hunde an einem Baum ihr Beinchen heben lässt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Ich verspüre einen starken Druck auf der Brust und mir läuft der Schweiß von oben bis unten. Ich muss sogar auf Toilette der sogenannte Angstschi…? Als nach kurzer Zeit meine Frau wieder kommt sieht sie, das ich mich nicht wohl fühle und lässt über das Ferienhotel den Notarzt rufen. Unsere Hunde müssen im Schlafzimmer hinter verschlossener Tür ausharren, aber sie sind ganz lieb, bellen nicht einmal, als der Notarzt kommt. Sie haben gespürt, das etwas nicht stimmt! Es dauert auch nicht lange, da ist der Notarzt aus Mayrhofen da und beginnt mit der Erstversorgung, Morphium in die Brust, Tropf anlegen zur Stabilisierung des Kreislauf und EKG, welches sofort nach Innsbruck zur Auswertung übersendet wird. Der Notarzt spricht sofort alles nötige mit der Universitätsklinik Innsbruck ab, in welche ich nach der Erstversorgung überstellt werde. Meine liebe Frau zwinkert mir Mut zu und weg bin ich. Mittlerweile ist es Mitternacht und eine unendlich dauernde Fahrt beginnt. Mir kommt es so vor, als ob die Fahrt überhaupt nicht enden will. Wer aber das Zillertal kennt weis, das es ein weiter Weg bis zur Autobahnauffahrt ist und dann geht es nach Innsbruck. Meine Füße stoßen an die Heckscheibe des Transporters. Ich bin nervös , denn ich weis nicht, was mich noch erwartet. Die Fahrt will und will kein Ende nehmen, der Notarzt begleitet mich, im LKH (Landeskrankenhaus Innsbruck Universitätskliniken)

angekommen, zum operierenden Bereitschaftsarzt wo ich vorbereitet werde für die OP. Noch immer habe ich keine Ahnung, was mit mir geschehen wird. Die Einen verabschieden sich von mir (Notarzt und Krankentransport Schwaz) und nun beginnt der OP Arzt sich vorzustellen ,wobei seine Assistenten mich ausziehen und auf eine schmale kalte Pritsche heben. Doktor Thomas Bartel erzählt, wer er ist und was er mit mir vor hat:

Ich bin ebenfalls wie Sie 48 Jahre und ich bekomme Sie wieder hin, so Dr. Bartel, jedoch wenn Sie weiterleben wollen, dann keine Zigaretten, keinen Alkohol und cholesterinarme Ernährung. Dieser ” Halbgott in Weiß” hat mit diesem Spruch in meinem Kopf etwas bewegt einen Hebel umgelegt was ich nicht mehr vergessen sollte und werde!


Herzkatheter Eingriff an meinem Herzen in Innsbruck

Dr. Thomas Bartel | Foto privat

Dr. Thomas Bartel | Foto privat

Danach begann er mit der OP, von der rechte Leiste zu meinem Herzen vorzudringen. Einen Schmerz
verspürte ich nicht, nur den Einstich in der Leistengegend. Links von mir hingen drei große Monitore, worauf der Dok. seine Arbeit verfolgen konnte. Über meinem Brustkorb kreiste eine Art Röntgengerät, welches meinem Kopf manchmal sehr nah kam, aber Dr. Bartel hat nach ca. 3Std. 2 Stents eingesetzt und mir versprochen, den nächsten Tag noch drei Stents zu implantieren. Die Schleuse war ja vorhanden und ich war froh, das erst mal alles vorbei war und ich auf die Intensivstation geschoben wurde. Es war bereits ca. 4.00 Uhr in der früh und nach einem kurzen Gespräch mit der Nachtschwester habe ich versucht zu schlafen,was mir auf dem Rücken sehr schwer fiel. Ich habe es überlebt! Wie sollte man auch wissen, wie ein Herzinfarkt kommt oder sich ankündigt. Dr. Thomas Bartel (Lebenslauf) hat auch eine eigene Webseite www.thomas-bartel.com welche sehr interessant und informativ ist. Hier ist z.B. auch ein Video zu sehen welches eine OP per Herzkatheter zeigt. In diesem OP Raum hab auch ich in der ominösen Nacht gelegen.

2.Kardiointensivstation
(CCU) Geschlafen habe ich nicht lange, denn 06.00 Uhr geht der Alltag auf einer Intensivstation los. Ich darf mich nicht bewegen, das heißt, ich muss mein rechtes Bein immer gerade halten und schön auf dem Rücken liegen bleiben. Auf der Intensivstation ist immer ein Pfleger oder eine Schwester für zwei Patienten zuständig. Das erste Problem was ich habe, ist das Wasser lassen. Die Schwester hat gesagt, ich sollte mir Zeit lassen, wenn es jedoch nicht geht, muss sie einen Katheter legen oh weh. Ich hab mich konzentriert, wie der Lokführer im Film “Mein Name ist Nobody”. Nachmittags kam dann mein Lebensretter, meine liebe Frau! Sie bringt mir das Nötigste fürs Krankenhaus.Sie war genauso froh, das alles gut verlaufen ist und hat gemerkt, das ich meinen Humor noch nicht verloren habe. Nach dem Abendessen habe ich dann versucht, etwas zu schlafen. Am nächsten Tag im OP machten die Ärzte ihre Witze:

Heut sind alles Deutsche im OP Raum, der operierender Arzt wie vergangenen Nacht Dr. Bartel (Deutschland), Assistenzärzte (Deutschland) und Patient ebenfalls Deutschland der
Brüller im OP Raum.

8.30 Uhr beginnt Dr. Bartel durch die noch vorhandene Schleuse die nächsten Engstellen am Herzen zu weiten per Ballondilatation. Gleichzeitig setzt er an diese Stellen das Stent Implantat. So, nun habe ich fünf Stents implantiert bekommen, in der Leiste wurden die Schleusen entfernt und ein riesiger Druckverband angelegt. Danach ging es wieder auf die Intensivstation, wo ich später ein, na sagen wir mal gutes Mittagessen bekommen habe. Das Schlafen mit dem großen Druckverband war auch nicht besser geworden ,denn ich musste immer noch auf dem Rücken liegen. Auch brauchte ich den zweiten Tag noch nicht das große Geschäft erledigen. Samstag kam dann meine liebe Frau mit unserer Tochter nochmal zu Besuch, denn Anja und ihr Mann Olli waren gekommen, um Birgit, unsere Hunde und das Auto nach Hause zu holen. Der Urlaub war vorbei und es gibt schließlich nach so einem Vorfall jede Menge von zu hause aus zu erledigen. Soweit so gut, heute musste ich aber nun den Pfleger Norbert bitten, mal den von ihm so gepriesenen Leibstuhl zu besorgen. Das war das erste und letzte Mal!! Sonntag sollte ich dann von der Intensivstation auf die allgemeine Station verlegt werden.

3.Kardiologische Bettenstation 4B
Ich werde verlegt, der Pfleger bringt mich mit dem Fahrstuhl auf die Station und öffnet eine Tür, ich bin überwältigt von dem Ausblick, wo ich genesen soll. Eine Glasfassade über den gesamten Raum mit Blick auf die Nordkette des Karwendelgebirge. Vier Betten stehen hier, je zwei auf jeder Seite und in der Mitte des Raumes ein Esstisch, oben drüber zwei Fernseher. Das Bett neben mir ist noch leer, die anderen Herzinfarkt Mitstreiter haben Besuch und sind unterwegs. Ich genieße die Aussicht und warte, bis mich meine Frau aus der Heimat anruft, schließlich will man ja wissen ob das eigene Auto gut zu Hause angekommen ist. Nach dem ich nun hier bin, habe ich eigentlich nur einen Wunsch “endlich eine Dusche nehmen”. Die Schwester sagt, na eventuell morgen. Ok denk ich, hat es solange gedauert, kommt es auf einen Tag mehr oder weniger nicht an. Die Infarktkollegen kommen, ein ca. 80 jähriger Mann und einer der ca. 58 ist, alle zwei aus Innsbruck. Nach dem Abendbrot, welches eigentlich sehr gut war, schau ich mal, was der Fernseher so zu bieten hat. Noch komplett verkabelt versuch ich gegen 22.00 Uhr zu schlafen. Gegen 06.00 Uhr beginnt die Nachtschwester mit den ersten Aktivitäten am Patienten und das Frühstück kommt gegen 07.30 Uhr, welches mit zwei Kaiserbrötchen, Wurst, Marmelade und Kaffee sehr reichlich ist. Visite ist gegen 09.00 Uhr und der Oberarzt ist ganz zufrieden mit meinen Werten. Wenn alles gut verläuft, kann ich Donnerstag nach Hause. Na, das sind Neuigkeiten die ich gleich mal in die Heimat senden muss. Die Aussicht auf die Hafelekarspitze ist immer noch gut und heute herrscht auch ein reger Flugverkehr, denn die Einflugschneise führt genau vor meinem Fenster vorbei. Auch das leere Bett neben mir wird belegt, ein älterer Herr mit der gleichen Krankengeschichte wie bei mir. Die darauf folgenden Tage geht es bei mir immer besser, so das ich das Frühstück bereits in einem separaten Frühstücksraum einnehmen kann. Auch kann ich mit meinem Zimmerkollegen mal in die Eingangshalle des LKH fahren und in einem Kaffeehaus einen VERLÄNGERTEN trinken. Am vorletzten Tag, wo ich nun auf meine Entlassung warte, kann mein Zimmerkollege das Krankenhaus verlassen muß aber wieder rein ,weil momentan keine Kapazitäten und Möglichkeiten für seine OP vorhanden sind. Er kommt also nach dem Wochenende wieder. Das freigewordene Bett bleibt nicht lange unbenutzt, ein etwas jüngerer Herr mit starkem Tiroler Dialekt wird ins Zimmer geschoben. Bei dem zuständigem Pfleger erkundigt er sich gleich,wo er rauchen kann, was ihm aber schwer fallen wird, denn er kommt ja nicht aus dem Bett, bei der Verkabelung an seinem Körper. Der Mittwoch ist nochmal ein Tag zum Entspannen, denn wenn alles gut geht kommt morgen früh der ADAC und fährt mich nach Hause. Donnerstag morgen bin ich der erste im Waschraum und auch der erste im Frühstücksraum, es geht heim. Ich mache mir auch noch ein Brötchen für unterwegs. Von Dr.Bartel erhalte ich auch noch eine CD, worauf der komplette Eingriff bzw. seine Arbeit an meinem Herzen zu sehen ist. Somit können die hiesigen Ärzte, Kardiologen den Eingriff nachvollziehen. Nach der Visite, bei mir alles OK, stehen pünktlich zwei Fahrer des ÖAMTC in der Tür und holen mich ab. Sie erledigen alle Formalitäten, tragen meine Tasche und bringen mich zum Fahrzeug. Ein schönes geräumiges Krankentransportfahrzeug nur für mich allein, ja sagen die Zwei, wir fahren sie nach Coswig und dann geht´s wieder zurück ins Stubaital. 09.00 Uhr ist Abfahrt und 15.00 Uhr wollen wir schon in Coswig sein. Ich muss sagen, sie hatten recht, denn die Fahrt war gut, sicher, bequem und zügig. Vielen Dank nochmals an den ADAC und ÖAMTC. Meine Frau hat so zeitig noch gar nicht mit mir gerechnet, aber nun ist sie froh, das ich wieder zu Hause bin.

Danke dem Ärzteteam um O. Univ.-Prof. Dr. Otmar Pachinger allen voran Dr. Thomas Bartel!
Hier geht es zu einem Bild – links ist mein Halbgott in weiss!

4. Dipl Med. Annelie Hannemann Coswig und Dr. med. Kerstin Wiethölter Kardiologin Radebeul
Meine Hausärztin, die ich gleich am Freitag aufsuche wegen der Medikamente, ist erstmal überrascht von meinem Aufenthalt in Innsbruck. Nach einem ausgiebigen Gespräch und einer normalen Kontrolle überweist Sie mich zur Kardiologin nach Radebeul. Hier werde ich aber erst in der nächsten Woche vorstellig werden. Nach Herzultraschall und Belastungs EKG soll ich zur Kontrolle ins Herzkatheterlabor auf den Weißen Hirsch in Dresden. Hier soll nachgeschaut werden, ob die Stents korrekt sitzen und offen sind. Der Termin ist schnell gemacht und es geht am 31.08.2007 09.00 Uhr los. Meine Tochter Anja fährt mich und bringt mich in die Praxisklinik für Herz und Gefässe, wenn alles ok ist kann ich bereits Abends wieder nach Hause. Jedoch hab ich meine Zweifel, denn es dauert sehr lange, bis ich dran komme, ein Notfall ist vor mir. Ok, damit kann ich leben, der oder die Patienten haben Vorrang. Nun bin ich endlich an der Reihe, es ist 13.30 Uhr, der OP ist ähnlich gestaltet wie in Innsbruck, jedoch hängen hier drei große Flachbildschirme. Der operierende Arzt ist Dr. med. J.Stumpf, verstanden habe ich ihn eher selten, er nuschelt so in seinen Bart. Da Innsbruck in die rechte Seite der Leiste gegangen war besteht nun die Möglichkeit, es links zu versuchen. Dabei sollte es auch bleiben beim Versuch. Nun geht es in den rechten Arm, hier ist es kein Problem, Dr.Stumpf benötigt ca.1 Std. und gibt ein OK für alle fünf Stents. Ich werde auf mein Zimmer gebracht, wo mir die Schwester den Druckverband anbringt und später ein Essen gereicht wird, schließlich sollte ich ja nüchtern erscheinen und es ist bereits Nachmittag und der Appetit ist enorm. Das Abendessen kommt auch gegen halb sechs und 19.00 Uhr soll der Stationsarzt nochmal nach dem Rechten schauen, damit ich raus kann. Leider geht wieder mehr Zeit vorbei und der Arzt stellt ein Rauschen in meinem rechten Arm fest, so das ich in die Intensivstation zur Ärztin muss, die per Ultraschall nachschauen soll, was los ist. 20.00 Uhr die Ärztin nimmt sich viel Zeit und stellt eine Fistel fest (Öffnung zwischen Vene und Arterie), kein Problem , aber es ist bereits 21.00 Uhr und ich bleibe die eine Nacht hier. Samstag nach dem Frühstück kommt nochmal der Arzt und gibt grünes Licht für die Entlassung, ein Taxi fährt mich dann nach Hause.

5. Zentrum für Ambulante Rehabilitation Herz & Kreislauf Dresden
Nachdem ich von meiner Kardiologin einen Flyer erhalten habe, über die Möglichkeiten einer ambulante Reha, gehe ich dies auch an und mache einen Termin mit der zuständigen Sekretärin Frau Howorka. Bei einem ersten Gespräch mit Dr. med. A. Charrier ist er zuversichtlich, das der Rentenversicherer dem nicht widersprechen wird. Eine REHA ist mein gutes Recht, dies für eine Aufbauphase in den normalen Alltag zu bekommen. Schließlich ist es wie eine Kur, nur hier kann ich nach der Therapie wieder nach Hause. Am 14.09.2007 geht es zur ersten Untersuchung und die erste Woche beginnt am 17.09.2007.